Vorschau

Katia Tangian

Dann eben Plan B

Moskauer Kindheit in den 1980ern

Dann eben Plan B zeigt, wie die Kinder unter dem Damoklesschwert des Sowjetstaates Abenteuer suchen und finden, und wie sie die Regeln der Eltern und der Gesellschaft kreativ unterlaufen. Ein Buch, das unbekümmert wirkt und doch Linien bis in die heutige Zeit zieht.

14,99 24,00 

24,00  Vorbestellen

ISBN 978-3-948631-72-7, ca. 200 Seiten

14,99  E-Book

ISBN 978-3-948631-71-0

E-Book

ISBN 978-3-948631-71-0

Vorbestellen

ISBN 978-3-948631-72-7, ca. 200 Seiten

November 2026

Produktsicherheit

 
„Wunderschön, wie es Katia Tangian gelingt, lustige und wendungsreiche Vorgänge zu erzählen, die ganz unprätentiös nicht weniger als gesellschaftspolitische Dimensionen aufscheinen lassen.“
Torsten Schulz

„Katia Tangian schenkt uns ihre Kindheit. Welch ein Glück für die Leser.“
Andreas Pflüger

„Moskau der achtziger Jahre, sechster Stock: ein Kinderzimmerfenster, eine leere Moloko-Verpackung, eine Taube. Katia Tangian braucht nicht viel, um Geschichten von kindlicher Wildheit und spätsowjetischer Müdigkeit zu entwickeln – Datscha-Sommer im Schriftstellerdorf, ein Innenhof voller Tauben und schräger Gestalten, eine Freundin, die stundenlang unterm Bett versteckt wird. Bis aus dem zweiwöchigen Familienurlaub in Deutschland ein ganzes Leben wird und der Sommer ,in ein Danach und ein Davor‘ zerfällt. Komisch, melancholisch und mit Beobachtungsgenauigkeit festgehalten – eine Ära, von der am Ende nur noch ,Verben in Vergangenheitsformen‘ bleiben.“
Alexandru Bulucz

„Dass Menschen unter Zwölf eigentlich Geschwister sind, das vergisst man in den Jahrzehnten, die darauf folgen. Es sei denn, Katia Tangian nimmt uns mit.“
Elke Schmitter

Inhalt: Sowjetunion, 1980er, Kindheit

Katia Tangians heiteres Prosadebüt schildert den Alltag in der UdSSR der 1980er-Jahre durch die Augen einer Zehnjährigen. Die Sommerferien verbringt sie mit der Familie in einem Schriftstellerdorf bei Moskau. Alle ihre Datscha-Nachbarn sind Schriftsteller, nur die Kinder nicht, denn zum Schreiben haben sie gar keine Zeit: Ständig muss jemand versteckt, verfolgt oder gerettet werden. In Moskau geht dann das wilde Treiben weiter, im Schnee, im Innenhof, in Mietwohnungen.

Momenthaft dringt die Realität des Sowjetstaats in das Leben der Kinder ein: Ein im Krieg versehrter Autor schreibt mit amputierten Unterarmen Kinderbücher, der kleine Viktor will später Militärarzt werden, Ljoschka und Fedja spielen „Russen gegen Nazis“, man hangelt sich vom „Kleinen Oktobristen“ zum „Komsomolzen“ durch die Wirren der Schulzeit – und all das unter dem wachsamen Blick der allgegenwärtigen Milizionäre.

Lesungen

  • 16. November 2026: Garbsen, Stadtbibliothek
  • 17. November 2026: Stadthagen, Alte Synagoge
  • 21. oder 22. November 2026: Literaturhaus Hannover, Buchlust
  • 26. November 2026: Stadtbibliothek, Garbsen

Mein Vater war ein Held, denn er konnte richtig gut einkaufen. Meine Mutter kaufte nur unnötige Sachen ein: Salz zum Beispiel oder Brot. Schlimmstenfalls Schwarzbrot. Wer brauchte so was? Schwarzbrot war sauer, hart wie Ziegelstein, und außerdem klebte es an den Zähnen. Man bekam Kieferschmerzen davon. Alles war besser als Schwarzbrot, vor allem Kartoffeln, aber Kartoffeln waren schwer zu tragen, und hier kam mein Vater ins Spiel.
Denn Vater konnte nicht nur richtig gut einkaufen, sondern mindestens genauso gut schleppen. Wenn er zum Gemüseladen ging, der ein paar Straßen weiter an der Parkseite lag, dann kaufte er nicht bloß fünf Kilo Kartoffeln. Nein, er legte noch ein paar Kohlköpfe drauf, warf sich einen Sack Möhren über die Schulter, hängte sich ein Netz mit Äpfeln an den kleinen Finger und klemmte sich einen Sack Zwiebeln oder rote Bete unter die Achsel, je nachdem, was es im Gemüseladen gerade gab.
Und wenn es dort mal wieder nur Kartoffeln gab, dann kaufte er eben zwanzig Kilo Kartoffeln, denn Kartoffeln konnte man immer gut gebrauchen, außerdem konnte man sie sehr gut gegen etwas anderes eintauschen, Öl zum Beispiel oder Klopapier. Wofür gab es schließlich Telefon? Vater konnte nämlich supergut telefonieren. Wie ein Scharfschütze setzte er kurze, aber präzise Anrufe ab, und danach hatten wir gleich eine ganze Palette Eier oder ein Glas Schmand, und zwar den von der fetten, cremigen Sorte. Mutter dagegen nutzte das Telefon komplett falsch. Sie konnte stundenlang mit ihren Freundinnen reden und ihnen überflüssige Details über andere Freundinnen erzählen – aber Eier hatten wir danach immer noch keine, nur eine Mutter mit roten Ohren.

Auszug lesen

Die Autorin

Katia Tangian, geboren 1975 in Moskau, lebt seit 1990 in Deutschland. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften in Bochum sowie der Freien Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf promovierte sie in Kunstgeschichte. Sie arbeitete als Universitäts- und Museumsdozentin und ist aktuell als Lehrerin an einem Gymnasium bei Hannover tätig. Seit 2000 publiziert sie in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien. Tangian lebt mit Mann und Tochter in Garbsen bei Hannover. Zuletzt erschien Zur Sache: Kunstakademie bei etceterapress. Dann eben Plan B ist ihr Prosadebüt.

Teilen