Mai 2026: Ruth Herzberg besprochen in der Monopol

Tobi Müller hat den aktuellen Roman FREQUENZEN von Ruth Herzberg gelesen, dass ihm schwindelig wurde. Und er konstatiert:

Und wo andere Kunstsatiren das Licht des Erfolgs, der Schönheit und der Jugend suchen, tauchen wir ab in den Untergrund von Armut, Falten und schlecht kaschierten Neurosen ab dem 50. Lebensjahr. Das ist zu gleichen Teilen tragisch wie lustig, und es ist gar nicht so leicht zu sagen, warum die Komödie auch gelingt: Liegt es am bewusst verplapperten Ton, der noch im tiefsten Loch gleich wieder Hoffnung schöpft?

Die Zweifel der Erzählerin werden gegen Ende größer, sie sucht sogar bei Freud nach Erklärungen,
ohne ihn gleich zu zitieren. Aber während sie durchschaut, warum Adams Kunst sich nicht durchsetzt, bleibt es ihr ein Rätsel, warum sie an kaputten Männern hängt – und abends in der Bar wieder auf Autopilot schaltet und nach vier Drinks mit „frisch geschiedenen Berufstätigen“ um die Wette flirtet. Berlin, um die 50, minus Glamour, minus Allesrichtig-Machen: Das ist der Text dazu.

in: Monopol. Mai 2026. S. 149.