Im Falter werden zwei neue Bücher mit „witziger Prosa aus Tschechien“ vorgestellt:
Begleitet vom Summen immer dichterer Fliegenschwärme, scheint die Erzählerin selbst zur Fliege zu werden. Reale Personen der Geschichte (Tito, Rasputin) treffen in erfundenen Begegnungen aufeinander, Träume werden wirklich, alltägliche Szenen zu Halluzinationen. Anspielungen auf Elfriede Jelinek oder Drago Jančar evozieren eine Atmosphäre von Humor und Melancholie und bringen einen mitteleuropäischen Sound hervor. Magischer Realismus aus Tschechien.
Thomas Leitner, Falter, 42/26
Holger Heimann rezensiert in dem Feature zu neuen tschechischen Büchern in deutscher Übersetzung für Ö1 Die Mariborhypnose von Dora Kaprálová:
Mit insektenhafter Leichtigkeit tupft Kaprálová die unterschiedlichsten Bereiche an, springt von der dokumentarischen Erkundung der Stadt an der Grenze zwischen Licht und Dunkel übergangslos ins Phantastische und sie schaut wie eine wachsame Träumerin aus der unübersichtlichen Gegenwart zurück auf die gewalttätige Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Durch die politischen Wirren bewegt sich zart ein Liebespaar, enthoben vom Gewicht der Welt, mit spielerischer Eleganz: der Hypnotiseur Leo Svengali und seine Gehilfin Elis. (…)
Dora Kaprálová zeigt mit radikaler Zärtlichkeit die Schönheit des Lebens, ohne die Grausamkeit auszublenden. „Für alles ist es zu spät, nur nicht für die Liebe“, schreibt sie am Ende. Ihr Buch ist nicht zuletzt eine Feier der Liebe, als höchste Form der Hypnose.
Holger Heimann, Ö1, 4. Oktober, nachhören.