Ruth Herzberg
Frequenzen
Roman

Wie funken Kommerz, Markt, Traumata, Kapital, Kain und Abel, Plattenbauten, DDR, Heizungen mit und ohne Friktion in jede Kunst, in jede Liebe hinein?
12,99 € – 24,00 €
„Nach der Kunst bleibt nur noch das Leid – und dank Ruth Herzberg das Lachen.“
Finn Job
„Ruth Herzberg kann über Sex und Kunst auf kluge Weise schreiben, das können die wenigsten.“ Josefine Rieks
„Ruth Herzberg schreibt lustige, hinreißende, gut erzählte Bücher.“
René Hamann, taz
„Die Balance zwischen Humor und Tragik, genau richtig, und immer wieder danke ich Ruth Herzberg für diese Figuren, für den Humor und für den schonungslosen Blick.“
Katarina Rafailović
Inhalt: Kunst & Liebe
Als Eva auf einer Vernissage Adam kennenlernt, einen charmanten Künstler, dauert es nicht lange, bis sie seinem Drängen nachgibt und eine intensive und leidenschaftliche Affäre mit ihm beginnt. Obwohl sich herausstellt, dass er weder zu haben noch Künstler noch charmant ist, fällt ihr die Trennung schwer.
Nicht nur die anstrengende Beziehung beschäftigt die Erzählerin. Sie beginnt, ihren Freund als Menschen und Künstler zu hinterfragen: Was ist Kunst? Ab wann ist es Liebe? Ab wann ist es keine Liebe mehr?
Adam vergräbt seinen Kopf in den Händen. Er sollte sich nicht so gehen lassen. Man sollte sich nur gehen lassen, wenn man aufgefangen werden will, aber Adam will nicht aufgefangen werden.
Ich will Spaß, Scherze, Leichtigkeit.
Kann man denn aber nicht mal über was anderes reden als über seine Krise oder über seine Kunst?
Ich meine, ich würde ja gerne mit ihm über Kunst reden, sogar über seine Kunst würde ich sehr gern mit ihm reden, aber darum gehts ja nie.
Erst ging es immer nur um Tennis, Tina und den TÜV, später auch noch um Akkuschrauber, Felgen und die Sackkarre, die ihm geklaut wurden. Oder umgekehrt.
Denn ohne Atelier keine Kunst, ohne Kunst kein Atelier.
Das ist so, als ob ich behaupten würde, ich sei Schriftstellerin, aber dann rede ich die ganze Zeit nur darüber, dass mein WLAN so lahm ist, wegen Vodafone?
Vielleicht hätten wir uns früher begegnen sollen. Als er noch an den „Frequenzen“ gearbeitet hat. Oder noch früher.
„Wenn du es nicht hinkriegst, Kunst zu machen, dann mach doch einfach was anderes. Wir brauchen sowieso keine Kunst mehr. Es gibt wirklich schon genug Bilder, Statuen, Installationen, Keramikgedrechsel und so weiter“, sage ich. Ich will doch einfach nur, dass er sich entspannt und gute Laune hat und klarkommt.
Adam krümmt sich, als hätte ich ihn geschlagen. Bin ich zu weit gegangen? Für einige Sekunden ist er ein Bild des Leidens. So würde ich ihn gern malen. Einen nackten mageren Mann, der sich auf Daunendecken krümmt, die mit kariertem Flanell bezogen wurden.
„Aber es gibt Milliarden von Büchern und du schreibst trotzdem“, sagt der nackte Mann.
„Ja, aber ich schreibe. Ich tue es. Ich renne nicht jahrelang durch die Gegend und erkläre den Leuten, warum ich NICHT schreibe. Sollte ich jahrelang nicht mehr schreiben können, warum auch immer, dann mache ich eben was anderes. Vielleicht wäre das sogar schön. Eine Befreiung! Ein normaler Job, ein geregelter Tagesablauf, festes Gehalt, Weihnachtsgeld, 28 Tage Urlaub im Jahr, Rentenanspruch und nicht dieser ständige psychische Balanceakt. Endlich nicht mehr dieses anstrengende Doppelleben als Märtyrer und Schmarotzer.“
Adam strafft sich. Richtet sich auf, lächelt. „Danke, dass du das sagst.“
„Gerne.“
„Danke, dass du so offen mit mir sprichst. Das ist ein Kompliment.“
„Nein, eigentlich nicht.“
„Nur mit dir kann ich so reden, Eva!“, ruft Adam jetzt aus. „Ich kenne niemanden, wirklich KEINE außer dir, mit der das möglich ist!“
Adam muss nichts tun, um von mir faszinierend gefunden zu werden.