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Jascha Riesselmann

Hydna

Roman

Sabotage, extreme Leistung, Apnoe-Tauchen und die Ehrfurcht vor den göttlichen Urgewalten des Meeres. Der Kampf eines Vaters und seiner Tochter für ihre Freiheit im Griechenland zur Zeit der Perserkriege.

14,99 € – 25,00 €

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ISBN 978-3-948631-74-1, 184 Seiten, Hardcover

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ISBN 978-3-948631-73-4

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ISBN 978-3-948631-73-4

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ISBN 978-3-948631-74-1, 184 Seiten, Hardcover

18. Januar 2027

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„Kühner Tauchgang!“
John von Düffel

Inhalt: Schwimmen, Antike, Vater und Tochter, Risiko

Hydna ist die Tochter eines talentierten, versklavten Schwimmers im antiken Griechenland. Als die Flotte der Perser anrückt, wird den beiden die Freiheit versprochen, wenn sie es schaffen, die Taue der feindlichen Schiffe zu kappen. Bei Sturm und Wellengang entspinnt sich ein Drama im Wasser.

Der Brei ist ungesalzen, Salz bekommen wir jeden Tag genug in unsere Säfte. Wieder zuckt ein Licht. Das Grollen danach kommt schnell wie eine Peitsche. Ich höre Äste brechen. Oder Stämme. Ganze Berge. Der Vater zeigt vor jedem Wasser gang, dass es schwierig werden wird. Damit wir nicht überheblich werden. Kein Taucher darf leichtfertig sein, auch wir nicht. Dabei war es seit über einem Jahr nicht mehr schwierig für mich. Egal, welche Übung wir gemacht haben. Egal, wie tief wir getaucht sind oder wie weit wir geschwommen sind. Egal, wie sehr die Verhältnisse gegen uns gearbeitet haben. Ich bin die beste Taucherin der Ägäis geworden. Nur der Vater ist noch besser als ich.
Aber er hat angekündigt: Wirklich schwierig.
Also schwieriger als schwierig. Deshalb sein Sorgengesicht. Deshalb wackelt der Löffel in meiner Hand. Sinne unscharf. Ich habe keinen Fokus. Ich möchte diese Wellen nicht sehen. Es klingt nach einer Unmöglichkeit. Es gibt leichte Aufgaben und schwierige und sehr schwierige, und dann gibt es noch die Unmöglichkeiten. Wer es mit solchen aufnimmt, ist kein guter Taucher, ganz gleich, was er kann. Keine schlechten Entscheidungen, Hydna, oberste Wasserregel.

Zeit, frage ich.
Er zieht die Hände zu zwei Fäusten zusammen: Noch Nacht.
Jetzt schon raus, frage ich.
Sturm wird nur stärker, zeigt der Vater.

Ich esse den Brei auf, obwohl mein Bauch unruhig ist. Jede Nahrung, die wir jetzt aufnehmen, hilft uns. Im Sturm ist essen nicht leicht. Ich reibe mich auch mit Ziegenfett ein. Der Vater übernimmt meinen Rücken, ich dann seinen.
Ob wir es nicht draußen machen sollen, so wie immer, damit es nicht so sehr nach Ziege riecht? Der Vater schiebt den Stoff beim Ausgang ein Stück zur Seite, Regen klatscht herein. Die nächste Hütte ist kaum zu sehen, obwohl sie nur ein paar Ellen entfernt liegt. Er zeigt, dass wir eine doppelte Schicht Fett auftragen sollen. Wir werden also bis zur nächsten Nacht im Wasser sein. Gut, dass meine eigene Fettschicht über den Sommer nicht so sehr abgenommen hat.

Die Späher haben berichtet, dass die persische Flotte ungefähr einhundert Stadien von der Küste entfernt gesichtet wurde. Dort werden sie vor Anker liegen. Einhundert Stadien hinschwimmen, einhundert Stadien zurück. Vierzigtausend Ellen, hat der Vater gesagt, an guten Tagen. Also vierzigtausend Mal seinen Unterarm abschwimmen. Mindestens eine ganze Nacht und einen ganzen Tag im Wasser. Zeit und Strecke sind für uns machbar, das wissen alle. Eine schwierige Aufgabe zwar, aber eigentlich keine sehr schwierige. Selbst bei hohem Wellengang scheuen wir die Ägäis nicht. Doch diese Wellen klingen nach Schaum. Im Schaum leben die Geister, die einen in die Tiefe ziehen. So geht die Geschichte. Das lernen die jungen Schwammtaucher am schnellsten, wenn sie sich beweisen möchten und in solche Schaumwellen springen. Einer muss immer unten bleiben, damit die anderen es verstehen.

Wir schleifen die Dolche noch ein letztes Mal. Sie sind scharf genug, aber so machen wir es immer, bevor wir mit den Atemübungen anfangen. Doppelt sicher gehen, die Klinge beschwören. Dann schleift der Vater auch noch seine Sichel. Zwei Klingen der Vater, ich nur eine. Sicherer wären auch zwei für mich, aber ein weiterer Dolch am Bein stört meine Abfolge im Wasser.
Als ich noch klein war, habe ich mir immer vorgestellt, der Vater würde in den Kampf ziehen, wenn er seine Klingen schärfte. Dass er ein Salzsoldat ist, ein Hoplit des Wassers, nur ohne Helm und Schild. Als er mir dann meinen ersten eigenen Dolch gegeben hat, war aber kein Kampf in meinem Körper. Ich bin keine Soldatin geworden, sondern ein Sklavenmädchen geblieben.

Muss ich jetzt kämpfen, habe ich ihn gefragt, den Dolchgriff in der Hand.
Wir kämpfen nicht, hat der Vater gezeigt, wir arbeiten.

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Der Autor

Jascha Riesselmann wurde 1989 geboren und lebt in Leipzig. Auf eine Jugend in Basketballhallen folgte ein Studium der Theater- und Filmwissenschaft. Anschließend studierte er Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Riesselmann arbeitet auch als Performance-Künstler,
Regisseur und Dozent. Bisher erschienen: Lustige Hügel (2022) bei hochroth, Gegengefälle (2026) bei Trottoir Noir als Autorenduo Riesselmann/Amende, nominiert für die Hotlist 2026. Hydna ist sein erster Roman.

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