Der Isländer Ragnar Helgi Olafsson hat ein Problem. Der Dichter, Grafiker und Kleinverleger aus Reykjavik, geboren 1971, muss die Bibliothek seines Vaters, eines (etwas grösseren) Verlegers, loswerden. Der Vater ist seit acht Jahren tot. Doch nun zieht die Mutter in eine kleinere Wohnung – keine Ausrede mehr! 4000 Bände, zu schweigen von den Bücherkisten in Keller, Garage, Flur, müssen entsorgt werden. Das macht man nicht am Wochenende. Denn er macht einen entscheidenden Fehler: Er fängt an zu blättern. So, freilich, kommt man nie ans Ende. Und das Ergebnis ist? Noch ein Buch. Und zwar eine wilde Mischung aus Erzählung, Zitaten, Betrachtungen über den Wert bedruckten Papiers, Überlegungen zu den erstaunlichen Mengen an persönlich-regionalen Schriften oder Gedanken zur Rolle der Erinnerung.
Peter Urban-Halle, NZZ, 5.1.2026